Der Eisstern am Fenster

Der Eisstern am Fenster

(Verfasser unbekannt)

Es war der 23. Dezember, dicke Schneeflocken tanzten durch die Luft und bedeckten die Landschaft mit einer dicken, weißen Decke. In den Fenstern der warmen Stuben brannten Kerzenlichter, es wurde im Kreis der Familien gesungen und Plätzchen gebacken. Manche veranstalteten auch eine lustige Schneeballschlacht oder bauten einen großen Schneemann.

Doch nicht alle Kinder waren ausgelassen. Ein kleiner Bub saß mit traurigen Augen am Fenster seines Zimmers und beobachtete das lustige Treiben auf der Straße. Er hatte ein dickes Tuch um den Hals gewickelt, war in eine dicke Decke gehüllt, und seine Nase war ganz rot, weil er einen schlimmen Schnupfen hatte.

So saß der Junge da und schaute den Schneeflocken nach, die an seinem Fenster vorbeiwehten. Da geschah es plötzlich! Eine von ihnen - die Kleinste - setzte sich auf sein Fensterbrett, um sich vom Fliegen zu erholen und um neue Kraft zu tanken. Sie sah sie das kranke Kind am Fenster und erzählte es den anderen Schneeflocken. Zusammen schmiedeten sie einen Plan, flogen zu dem armen Buben und setzten sich an seine Fensterscheibe.

Leise flüsterte das kleine Schneeflöckchen der Schneeflocke neben ihr etwas ins Ohr, und verriet die Nachricht leise der nächsten. Dann, vor Freude strahlend, setzten sie sich alle so auf die Fensterscheibe, dass sie einen großen, weißen Eisstern bildeten.

Behutsam fasste der Junge ans Fenster und legte seine Hand auf das faszinierende Schauspiel. Für ein paar Augenblicke konnte er das kleine Schneeflöckchen ganz nah spüren. Und als er seine Hand wieder wegnahm, hatten sich die Flocken plötzlich zu einem wunderschönen Herz geformt. Sie änderten immer wieder ihre Form und erfreuten das kranke Kind mit stets neuen Bildern.

Lachend spielte der Junge mit den Schneeflocken an seinem Fenster und freute sich auf morgen. Denn in tief im Herzen wusste er, dass er über Nacht gesund werden würde. Schließlich war doch Weihnachten, die Zeit der großen und der kleinen Wunder!